Bücher und Rezensionen dazu

 

 

Bücher

Magie eines Zimmers oder 
Der Strick ist abgekaut

 

Hans-Jürgen Bunk und Andreas H. Buchwald wären sich vor Jahrzehnten vielleicht kaum begegnet. Und wenn, dann auf gewiss unerfreuliche Weise. Der eine sorgte für die Sicherheit im Land, der andere stellte grundsätzlich in Frage, wie dies geschah. Der Konflikt war objektiver und weniger subjektiver Natur.

Als der Staat unterging, standen dessen Diener am Pranger. Dort stehen sie eigentlich noch immer. Sie sollen persönlich dafür haften, was es an Dummheit und Ungerechtigkeit von staatswegen gab. Selten oder nie wird nach dem Maß eigener Verantwortung gefragt.

Buchwald und Bunk tun dies. Sie sprechen mit- und nicht übereinander. Über ihre ostdeutschen Biografien, über Wege und Konsequenzen. Und über das Heute.

Zu beziehen über: www.andrebuchverlag.de 

 

 

 

 

 

Neue Wege

„Hans-Jürgen Bunk, Jahrgang 1953, leitet eine Beratungsstelle für Lohnsteuerhilfe in Leipzig-Plagwitz, wenn er nicht gerade unterwegs ist. Da ihn seine Reiseeindrücke zumeist sehr bewegen, schreibt er sie nieder und hat mit diesem Büchlein begonnen, seine Tagebücher zu veröffentlichen. Ein Studium der Rechtswissenschaften noch in den siebziger Jahren, ein Intermezzo als Angestellter der Bahn oder auch eine freiberufliche Interviewertätigkeit gewährten ihm Einblicke in durchaus verschiedene Bereiche des Wirtschaftslebens, was in der Art seines Schreibens deutlich zum Ausdruck kommt."

http://www.amazon.de/Neue-Wege-Reisetagebücher-1-2/dp/3869012226/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1243926476&sr=1-3

 

 

 

 

Rezensionen zu den Büchern und damit verbundenen Aktivitäten

 

Geschichtsbewältigung ad absurdum  – Autorenlesung verweigert

„Dieser Satz ist eine Lüge.“ Zu beweisen, dass dieser Satz weder wahr noch falsch, sondern vielmehr paradox ist, gilt in der Philosophie bzw. Logik als universitäre Fingerübung. Bei der Lüge außerhalb des Elfenbeinturmes wird die Wahrheit nicht selten von der Politik, dem eigenen Vorteil oder einer anderen Macht gebogen. Wiewohl die unbequeme Wahrheit von philosophischer Haarspalterei, Dogmatismus oder Eigennutz unbenommen trotzdem wahr ist, kommt sie einfach nicht zu ihrem Recht. Wahrheitskommissionen nach politischen Machtwechseln vollführen daher meist einen Eiertanz, um den schmalen Grat zwischen Verurteilung und Versöhnung zu treffen, um mutige, offene Aufarbeitung und gemeinsame Zukunft aller Beteiligter zu verbinden. Schlimm wird es, wenn die neuen Mächtigen selbst lieber brandmarken, als die Gräben zu schließen. Die Bundesrepublik hat von der EU-Menschenrechtskommission regelmäßig Rügen ob ihrer Benachteiligung der ostdeutschen Bundesbürger erhalten. Das Stasigespenst mag ein heißes Eisen sein, sollte aber kein rotes Tuch darstellen. Dem Autorenduo Andreas H. Buchwald/Hans-Jürgen Bunk wurde ganz aktuell eine langfristig vereinbarte, groß angekündigte Lesung im Schloss Altranstädt verweigert. Im historischen Friedenszimmer des Schlosses hatten sich beide kennen und schätzen gelernt. Der eine früher Stasi, der andere Dissident, brachten sie ihre persönliche Geschichtsbewältigung im Buch „Magie eines Zimmers oder der Strick ist abgekaut“ gemeinsam zu Papier. Ich weiß nicht, wie es vor diesem konkreten Hintergrund um unsere Freiheit des Wortes bestellt ist. Aber wenn Geschichtsbewältigung linientreu sein muss und die Personen selbst nicht mehr zählen, wird sie ad absurdum geführt.

Frank Willberg („Die Lokale“ – lokale Zeitung für Lindenau, Plagwitz, Schleußig, Klein-/Grosszschocher , Knauthain vom April 2010)

 

Rezension für „ISOR aktuell“

Die Autoren, ein früherer NVA – Bausoldat (Jahrgang 1957) und ein ehemaliger Mitarbeiter des MfS (Jahrgang 1953), versuchen, gemeinsam anhand ihrer Lebensläufe die eigene Geschichte aufzuarbeiten, - und zwar dies in Form wechselseitiger Befragung und in Respekt gegenüber der Biographie des jeweils anderen. Das Unternehmen reizt zu Einsprüchen und wohl auch zum Widerspruch. Zugleich: man muss ihren Wertungen nicht folgen, - das wird wohl von den Autoren auch nicht erwartet. Und man mag kritisch stehen zu 25 bis 30 Jahre später aufgeschriebenen Erklärungs-versuchen früherer Motivlagen, - ein mutiges Unternehmen ist es allemal und löblich wohl auch. Ihre Schlussfolgerungen und Ansichten weichen von jeweils veröffentlichter Meinung beider Milieus ab, - damals und heute. Vielleicht aber liegt gerade in der subjektiven Darstellung und Bewertung von Erlebnisse, die zumindest nicht den Anspruch erheben, Geschichte zu sein oder interpretieren zu wollen, der Wert ihres Unternehmens. Und darin, dass man nicht übereinander redet, sondern miteinander. Ob so etwas immer einen Text für ein Buch abgibt, sei dahingestellt. Eines dieser Art ist aber wohl mehr als legitim. Und das liegt hier nun vor.

Prof. Dr. Horst Bischoff

 

 

  

Rezension aus „Die Lokale“ (Plagwitzer Lokalzeitung)

Darf man so etwas tun? Im November erschien ein sehr interessantes Buch von Andreas H. Buchwald und Hans-Jürgen Bunk unter dem Titel „Magie eines Zimmers oder der Strick ist abgekaut“. Der eine, Andreas H. Buchwald, ehemaliger Spatensoldat und Bürgerrechtler, der andere Major der Staatssicherheit, haben in diesem Gespräch dazu beigetragen, Geschichte anhand ihres eigenen Erlebens aufzuarbeiten. So heißt es in einem (nicht veröffentlichen) Vorwort dazu: „Der alte Strick ist abgekaut, finden Andreas H. Buchwald und Hans-Jürgen Bunk und meinen damit das endlose Wühlen im Sumpf der Staatssicherheitsakten der einstigen SED-Diktatur. Dabei geht es ihnen keineswegs darum, Unrecht nicht Unrecht zu nennen, sondern Schritt für Schritt aus dem Teufelskreis der uferlosen Schuldaufrechnungen herauszutreten und Biographien anzuerkennen, die bei näherem Hinsehen kaum anders hätten verlaufen können. Sind nicht auch derzeitige Strukturen von einer gewissen Doppelmoral geprägt? Urteile über keinen Menschen, bevor Du nicht zehn Monde in seinen Mokassins gelaufen bist, lautet ein indianisches Sprichwort, und besser kann das Anliegen der beiden Autoren kaum beschrieben werden. Wenn wir anerkennen, dass Menschen sich ihren Lebensherausforderungen stellen und sich verändern können, reichen wir einstigen Gegnern die Hand und sind bereit, die Wunden der Vergangenheit heilen zu lassen. Auf diese Weise können wir unsere Kräfte für die Gegenwart bündeln.“ Andreas H. Buchwald/ Hans-Jürgen Bunk Dieses Buch reizt wie kein anderes zum Widerstreit. Ist es doch gemeinhin eher üblich, die Vergangenheit in Gut und Böse, Menschen in Freund und Feind zu unterteilen. Und da wagen es zwei, diese ungeschriebene Regel zu missachten und sich im offenen Zwiegespräch dem jeweils anderen und dem Leser zu stellen. Mag man auch nicht beider Meinung sein, ein mutiger Schritt war es allemal. Vielleicht verhilft das Buch dazu, dass sich die Mauer in den Köpfen ein wenig öffnet. Nur wenn man miteinander spricht, kann man auch verstehen. Die Verantwortung indes für seine eigene Biografie und für das eigene Gewissen wird niemandem damit abgenommen werden.

 

Kerstin Mirow